27.03.2012 | von Dracovina | | Kommentare (25)
Ein Festival — Hunderte Szenen
Da ich ich mich in meinem Beitrag „Woran glaubst Du?“ schon mit dem Glauben in der schwarzen Szene beschäftigt habe, möchte ich nun meine Gedanken in Musik und Festivals einiger Szenen versinken lassen.
Cyber-Gothics? Also bunte Knicklichter mit LED-Lämpchen, aus ihrer Zimmerbeleuchtung zu Hause geklaut, die zu einem eintönigen, elektrischen "Klang" ihre Arme hin und her wedeln und sich dabei mit ihren Fake-Gasmasken den Mund zukleben? Wie lächerlich!
Metaller? Also stinkende, bärtige Männer und ungepflegte Mannsweiber, die zum Gegröle und Gitarrengeschrammel ihre Haare zum Nachbarn schleudern und sich gegenseitig anrempeln? Wie lächerlich!
Ähnliche Aussagen hat bestimmt jeder einmal aus einer der beiden Szenen gehört. Leider.
Die Metal-Szene kann meistens gar nichts mit den sogenannten „Cyber-Gothics“ anfangen. Für sie sind diese schrillen Gestalten mehr lächerlich als ernst zu nehmen. Und anders herum empfindet diese Szene die Metaller eher als ungepflegt und schon irgendwie ekelig. Natürlich kann ich nicht behaupten, dass dies immer so sei, aber ähnliche Statements habe ich schon von einigen Personen gehört. Und so wie ich es mitbekommen habe, verstehen sie die „normale“ Gothics mit beiden Szenen so mehr oder weniger. Auf den verschiedensten Festivals und Konzerten sind sie zu finden.
Jetzt mal ganz abgesehen davon: Ich finde diese Unterteilung der „Szenen“ und dieses Schubladen-Denken „ich bin in der Szene“, „du bist in dieser Szene“ irgendwie total unsinnig. Jeder Mensch ist anders und jeder trägt, hört und unternimmt das, was er möchte. Jeder ist individuell — außer vielleicht diejenigen, die versuchen so zu sein wie alle anderen und sich selbst nicht richtig entfalten können. Ein Vorbild zu haben ist wiederrum etwas anderes. Erst letztens habe ich erneut darüber gelesen. Ein Idol braucht jeder Mensch, bewusst oder unbewusst hat er sogar eines odere mehrere. Durch Verhaltens-Nachahmungen und eigene Abwandlungen davon entwickelt sich unser Charakter, wobei wir nicht einmal jemanden nachmachen möchten, dies geschieht auch völlig unbewusst. Ihr kennt sicherlich die Aussage, wenn ein Mensch auf einen anderen "abfärbt". Genau das ist dieser Mechanismus, den ich eben kurz angesprochen habe. Aber nun bin ich genug vom Thema abgeschweift. Über dieses Thema könnte man (ich) eigentlich einen ganz eigenen Artikel verfassen, so umfangreich ist es...
Nun aber zurück zu den Szenen.
Es gibt also Szenen, die sich überhaupt nicht miteinander vertragen und welche, die recht neutral gegenüber ihnen eingestellt sind. Schauen wir sie uns nun etwas genauer an. Meiner Meinung nach haben sie alle, auch wenn jede Szene einen anderen Ursprung hat, etwas gemeinsam: sie sind „anders“, fallen auf und sind so mehr oder weniger „düster“, auch der Musikgeschmack ragt in jeder Szene weit über die Charts hinaus. Ich möchte auf keinen Fall alle über einen Kamm scheren, ich möchte nur verdeutlichen, dass wir doch alle irgendwie etwas gemeinsam haben. Daher: Warum „bekriegen“ sich manche Gruppen so sehr?
Lasst die Cyber-Gothics und die Metaller doch so rumlaufen, wie sie möchten. Lasst sie bei einem Konzert so zu ihrer Musik abgehen, wie es ihnen Spaß macht. Lasst sie die Accessoires tragen, die ihnen gefallen. Lasst sie einfach das sein, was sie sind.
Nun sollte ich vielleicht ein paar Worte zu mir verlieren. Der Antrieb dieses kleinen Textes war, dass ich festgestellt habe, dass die Festivalsaison dieses Jahr bald wieder losgeht oder vielleicht sogar schon begonnen hat. Ich bin seit ich 16 bin jedes Jahr auf mindestens einem Festival, und über die Jahre hat sich mein musikalischer Horizont natürlich erweitert. Angefangen mit Rock, über Metal, zu Gothic, dann zu Mittelalter und Folk, und anschließend zu Industrial — um nur ein paar Genre zu nennen. Bis heute höre ich mir Lieder aus den verschiedensten Stil-Bereichen an, wobei man meinen Musikgeschmack gar nicht so einfach definieren kann. Zusätzlich zur Musik hat sich über die Jahre auch mein Festival-Spektrum etwas vergrößert.
- 2006 — Wacken Open Air in Wacken (SH) — 03.08. - 05.08.2006
- 2007 — Wacken Open Air in Wacken (SH) — 02.08. - 04.08.2007
- 2008 — Hexentanz am Bostalsee (SL) — 02.05. - 03.05.2008
- 2008 — Hörnerfest in Brande-Hörnerkirchen (SH) — 04.07. - 06.07.2008
- 2008 — Wacken Open Air in Wacken (SH) — 31.07. - 02.08.2008
- 2008 — Ultima Ratio Festival in Oberhausen (NRW) — 01.11.2008
- 2009 — Irish Folk Open Air in Poyenberg (SH) — 13.06.2009
- 2009 — Wacken Open Air in Wacken (SH) — 30.07. - 01.08.2009
- 2010 — Irish Folk Open Air in Poyenberg (SH) — 12.06.2010
- 2010 — Hörnerfest in Brande-Hörnerkirchen (SH) — 09.07. - 11.07.2010
- 2010 — Wacken Open Air in Wacken (SH) — 05.08. - 07.08.2010
- 2011 — Irish Folk Open Air in Poyenberg (SH) — 04.06.2011
- 2011 — M'era Luna Festival in Hildesheim (NI) — 13.08. - 14.08.2011
- 2012 — M'era Luna Festival in Hildesheim (NI) — 11.08. - 12.08.2012 (geplant)
- Amduscia
- Eisbrecher
- Faderhead
- Faun
- In Extremo
- Letzte Instanz
- Pacebo
- Schandmaul
- Subway To Sally
- Suicide Commando
- Amon Amarth
- Cradle of Filth
- In Extremo
- In Flames
- Machine Head
- Megaherz
- Mono Inc.
- Oomph!
- Schandmaul
- Scorpions
Wo ich schon immer einmal hin wollte:
- Amphi Festival in Köln (NW)
- Metalcamp in Tolmin (Slowenien)
- Summer Breeze Open Air in Dinkelsbühl (BY)
- Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig (SN)
Ich liebe Festivals. Die Atmosphäre, die Menschen, die Musik, einfach alles. Ich könnte jedes Jahr auf mehrere gehen, auch auf die verschiedensten. Sehr gerne wäre ich auch dieses Jahr wieder auf dem W:O:A (eher Rock, Metal), aber leider waren die Tickets ja ziemlich schnell ausverkauft (Wochen vor Weihnachten 2011), andererseits freue ich mich auch schon auf das M'era Luna (eher Gothic, Rock, Industrial) im August. Auch auf das Hörnerfest (eher Folk, Mittelalter) würde ich sehr gerne gehen, was zeitlich wohl eher nicht möglich ist. Und wie ihr seht, spielen auf diesen Festivals Bands, deren Musik in verschiedenen Genres wiederzufinden ist.
Nun frage ich mich, warum die verschiedenen Szenen nicht ganz friedlich miteinander feiern können? Warum kann jemand, der normalerweise in Discos zur elektrischen Musik tanzt, nicht auch auf ein Metal-Festival gehen, ohne, dass er blöd angeguckt wird, wenn er erzählt, dass er sonst auch viel Elektro hört? Das verstehe ich irgendwie nicht. Es sollte jeder dort hin gehen, wo er sich wohl fühlt und was ihm gefällt, vorausgesetzt, die Liebe zu dieser Musik ist echt und nicht gespielt, oder wird nur für gut befunden, weil es „cool“ oder „in“ ist! Natürlich sollte dann auch nicht einen auf Rebell gespielt werden, um absichtlich zu provozieren und zu beweisen, dass man anders ist. Man sollte friedlich miteinander Spaß haben und die gemeinsame Leidenschaft leben: die Musik. Und wenn einem eben so grundverschiedene Musik gefällt, warum nicht? Wie war das mit dem über dem Tellerrand schauen oder dem Scheuklappenblick?
Und die Kleidung... sollte trotz allem irgendwie angemessen sein. Cyberlox sind auf einem Immortal- oder Endstille-Konzert (Black Metal) eher fehl am Platze. Andersherum sieht ein Corpse Paint auf einem Blutengel-Konzert (Elektro, Darkwave) auch komisch aus. Warum? Weil es einfach optisch nicht passt, anders kann ich es irgendwie nicht begründen. Das wäre so, als würde man zu einer Feier im Restaurant Jogging-Klamotten tragen — halt unangebracht.
Aber im Grunde ist ein Festival doch dazu da, um mit Freunden und guter Live-Musik richtig viel Spaß zu haben! Daher: Scheiß drauf, was du sonst noch so hörst, hauptsache du bleibst dir selbst dabei treu und machst niemandem etwas vor. Sei offen für Neues und verurteile keine Menschen, nur weil sie etwas anderes hören oder anders aussehen als du. Wir sind doch alle nur Menschen und möchten einfach nur ein glückliches Leben führen — warum sich das Leben also unnötig schwer machen?
Musik ist die Stenografie des Gefühls.
Leo N. Tolstoi (1828-1910), russ. Schriftsteller
In den nächsten Zeilen möchte ich euch einen typischen Festival-Ablauf etwas näher beschreiben, damit ihr seht, dass Festivals Gemeinsamkeiten haben, immer das gewisse Gefühl verursachen und die gleichen Glückmomente hervorrufen. Auch Ärger und Frust ist bei jedem Festival ähnlich. Unabhängig davon, welche Musik dort gespielt wird und welche Szene sich dort überwiegend aufhält.
Die Festivalsaison 2012 beginnt bald!
Es ist Sommer. Früh am Morgen.
Du packst deinen Arbeitsdress beiseite, wirfst dich in dein Lieblings-Bandshirt und ziehst deine Stahlkappen-Stiefel aus Leder mit 15 Loch und Schnallen an. Oder du nimmst die etwas figurbetontere Variante (für Mädels) und ziehst ein schwarzes Top, darüber ein Satin-Taillen-Korsett mit einem Spitzenröckchen, geschichtete Netz- und normale Strumpfhosen und dazu passende Absatz-Lederstiefel 30 Loch, auch mit Schnallen, an. Accessoires, wie Stulpen und Ketten verpassen deinem Aussehen den letzten Schliff. Anschließend rundest du alles mit auffälliger Schminke ab.
Du suchst dein Zelt, deinen Campingstuhl, deine Isomatte, deinen Schlafsack, dein Luftbett, deine Luftpumpe, deinen Wasserkocher mit Töpfen und Plastikgeschirr/-besteck, den letztens gekauften Einweggrill, Grillbriketts, eine Kühltasche mit Grillfleisch und Baguettes, Fertigfutter (Pulver-Terinen, Ravioli, Nudeln, Tomatensoße, Suppen), Getränke, zwei 5-Liter-Kanister, die du soeben mit Leistungswasser befüllt hast, deine Reisetasche mit Kleidung und Hygieneartikeln, dein Navi mit Wegbeschreibung, den Running Order und zu guter Letzt das Festivalticket zusammen und stopfst dein Auto bis auf den letzten Quadratzentimeter mit weiteres Essen, Trinken und Klamotten voll. Doch dann klingelt dein Handy. Ein guter Kollege hat plötzlich keine Mitfahrgelegenheit mehr und er fragt, ob du noch einen Platz im Auto frei hättest. Du stimmst zu und musst nur ein paar Minuten warten, bis er auf deiner Matte steht. Ihr packt nun gemeinsam das Auto um, damit ihr seine Sachen auch noch irgendwo unterbringen könnt. Schließlich habt ihr alles verstaut und könnt endlich losfahren.
Du triffst dich mit deinen Freunden, die mit dir erst einmal den gesamten Ablauf durchplanen. Ihr habt eine 3-Stunden Autofahrt vor euch, daher sollte alles gut durchdacht sein, damit ihr nichts vergesst. Nun stellt sich heraus, dass eine Kollegin ihre Reisetasche in ihrer Fahrgemeinschaft nicht mehr unterbringen kann. Da du nur mit einem weiteren Kollegen alleine fährst, hast du dich bereit erklärt, ihre Sachen in deinem Auto zu verstauen. Nun hast du aber wirklich keinen Quadratmillimeter Luft mehr. Ihr kauft anschließend gemeinsam die letzten Kleinigkeiten im Supermarkt nebenan ein: noch ein paar Getränke und einige Tüten Chips. Dann könnt ihr endlich starten und macht euch auf den Weg die Autobahnen in einer Kolonne unsicher zu machen. Nach hunderten Kilometern, vielen Nerven aufgrund von Stau und ein paar Pinkelpausen, seid ihr endlich einige Kilometer vor dem Festivalort entfernt. Doch es gibt wieder Stau, den Festival-Stau. Der Eingang ist noch nicht geöffnet und ihr müsst nun ca. eine Stunde in einer scheinbar unendlichen Autoschlange die Zeit absitzen. Ihr ärgert euch darüber, denn wie es scheint, sind alle Vorbereitungen abgeschlossen und es gibt keinen sichtbaren Grund, den Campingplatz noch nicht freizugeben. Aber es bringt ja alles nicht. Nachdem ihr ein paar nette Unterhaltungen mit euren Nachbarn geführt habt, geht es endlich im Schneckentempo voran. Auf eine Koppel.
Du wirst auf den Camping- und Parkplatz gewunken und bist heilfroh, endlich angekommen zu sein. Ihr baut eure Zelte in eurem kleinen Camp auf und fragst deine Nachbarn, ob sie noch ein paar Heringe für dein Zelt übrig hätten, da die anderen Besucher auf deinem letzten Festival über die Zelt-Schnüre gestolpert sind und dabei fast alle Heringe herausgerissen haben. Wiederfinden ist dann im hohen Gras eher zwecklos. Aber freundlicherweise bekommst du von den Nachbarn welche geliehen. Doch nun bedeckt sich der Himmel langsam. Ihr seht schon in der Ferne, dass demnächst ein kräftiger Schauer vorbeiziehen wird. Glücklicherweise hat einer deiner Freunde ein Pavillon dabei. Nachdem alle Zelte stehen, habt ihr schnell damit begonnen, den Pavillon aufzubauen, damit ihr im mehr oder minder Trockenem bleibt. Die ersten Tropfen kamen schon herunter, als ihr gerade mit vier Mann dabei wart, die Plane über das Gestänge zu ziehen. Schnell befestigt ihr es. Dann kam auch schon der erwarteter Regenschauer. So, und wie überbrückt ihr die Regenzeit? Ihr habt ja keine große Wahl, also schnappt ihr euch ein paar Chips und Getränke, mit denen ihr erst einmal anstoßt. Nach einer gefühlten Ewigkeit ist der Regenguss vorbei, also könnt ihr endlich die restlichen Sachen aus dem Auto holen.
Du schmeißt deinen Grill an und brutzelst euch allen ein kleines Steak mit Kräuterbutterbaguettes — oder was man sonst noch so grillen kann. Die offiziellen Stände öffnen erst morgen, daher müsst ihr euch selbst etwas zu essen machen. Da du viel zu viel Essen gegrillt hast, lädst du deine Nachbarn als Dankeschön für die geliehenen Zelt-Heringe zum Essen ein. Nach dem Essen erkundest du mit deinen Freunden ein wenig die Gegend und die weitere Nachbarschaft. Du wirst herzlich begrüßt und jedes Mal dazu eingeladen, dich dazu zu setzen und mit ihnen ein wenig zu feiern. Ihr stoßt mit einem kleinen Schnäpschen an und habt einfach nur Spaß. Die Leute, die Stimmung, einfach alles ist total super und schön.
Du verlierst allmählich deine guten Manieren, feierst weiter mit deinen Freunden ein paar mehr oder weniger feuchtfröhliche Stunden. Selbst zu einem Trinkspielchen bist du bereit, wovon du eigentlich sonst gar nicht viel hältst. Aber hey, du bist auf einem Festival, da kann man auch schon eine Ausnahme machen. Schließlich erlebt man so etwas nicht alle Tage, da denkst du dir, dass du es später bereuen wirst, wenn du nicht all das unternommen hast, was möglich war. Aber du bist gut und gewinnst sogar.
Du gehst mittlerweile vor dem nächsten Regenschauer wieder in Deckung. Allmählich verwandelt die Nässe das gesamte Camping-Gelände zu einer kleinen Schlammgrube. Perfekt für eine Schlammschlacht, denken sich manche, und springen voller Freude in den Matsch. Zum Glück trägst zu deine festen Stiefel, mit denen du nicht so leicht versinken kannst. Mit einem kleinen Slalom umgehst du die kleinen Matsch-Gruben. Das Wetter ist wirklich ärgerlich, aber nicht ärgerlich genug, um dir und deinen Freunden das Festival zu verderben. Ihr macht das Beste daraus und habt trotzdem euren Spaß. Rain or Shine! Glücklicherweise regnete es nur diese zwei Male, wie du am Abend feststellst. Wo ist die Zeit nur geblieben? Nun ist es schon spät in der Nacht und es wird langsam ruhig auf dem Gelände. Also beschließt auch du dich in deinem Zelt zurückzuziehen, um zu schlafen.
Du kommst bereits um sieben Uhr morgens regelrecht aus deinem Zelt geflohen. Die Sonne hat es in eine Sauna verwandelt und es ist unmöglich sich dort länger aufzuhalten. Nachdem du heute Morgen sehr spät in dein Zelt schlafen gegangen bist, die Camp-Nachbarn bis in die Puppen ihre Musikanlage noch voll aufgedreht hatten und der Generator, der fast neben deinem Zelt mit surrenden Geräuschen steht um einen Teil des Campingplatzes zu beleuchten, auch direkt an dein Zelt strahlte, raubt dir die Sonne auch noch den letzten Schlaf. Wobei dich die Musik eher weniger störte, da du vorgesorgt und nachts mit Ohrenstöpsel geschlummert hast.
Du machst dich auf dem Weg zum morgendlichen Geschäft und musst einen fünf-minütigen Fußmarsch auf dich nehmen, um zu den nächsten mobilen Toiletten zu gelangen, in der Hoffnung, dass sie frisch gereinigt worden sind, da es sonst unzumutbar wäre eine zu betreten. Aber du hast Glück und deine Gebete wurden erhört. Sogar Toilettenpapier ist noch vorhanden, was eigentlich den gesamten restlichen Tag nie der Fall ist. Selbstverständlich hast du aber dein eigenes Papier auch mitgebracht.
Du kehrst wieder zu eurem kleinen Zeltlager zurück, wo deine Freunde schonmal das Frühstück vorbereitet haben: es gibt Tütenbrötchen mit Schokolade oder eine 5-Minuten-Terine. Du entscheidest dich für die Schokobrötchen, Pulverfutter am Morgen ist nicht so dein Ding. In einer Stunde darfst du endlich auf das eigentlich Gelände und die ersten Bands, auch deine Lieblingsband, beginnen ihre Konzerte zu spielen. Darauf freust du dich schon richtig und kannst es kaum abwarten. Aber die Zeit vergeht schnell. Du beschließt schon einmal loszugehen und vor den Toren auf der Öffnung zu warten. Nachdem du endlich das Festivalgelände betreten darf, stürmst und quetscht du dich mit tausend anderen Fans durch den schmalen Durchgang, wo jeder kontrolliert und abgetastet wird. Killernieten werden dir sofort abgenommen, aber aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre hast du die meisten deiner Nietengürtel und -halsbänder direkt im Zelt gelassen. Vor der Bühne haben sich schon viele andere Besucher gesammelt, weshalb du leider nur weiter hinten stehen kannst. Aber die ersten Sounds der Band verdrängen den kleinen Ärger. Alle feiern zusammen und gehen zu der Musik richtig ab.
Du wirst von den Leuten aus dem Circle Pit, der traditionell bei dieser Band immer um das Mischpult verläuft, irgendwie mitgerissen und läufst mit ihnen im Kreis. Plötzlich stolperst du und fällst auf die trockene Erde. Aber du wirst nach gerade mal einer Sekunde am Boden sofort von den Fans hinter dir wieder heraufgezogen. Du willst dir gar nicht ausmalen, was hätte alles passieren können, wenn sie es nicht täten. Als alles wieder vorbei war, kannst du dir einen Stehplatz sichern, der dichter an der Bühne liegt. Erst jetzt merkst du, wie stark die Sonne dir in den Nacken brennt. Sonnencreme hast du, wie fast jedes Mal, vergessen aufzutragen. Aber was will man machen. Du bleibst stehen und genießt das Ende.
Du wirst noch während des Konzertes einige Male von Crowdsurfer überrascht, die irgendwie jedes Mal wie aus dem Nichts auftauchen. Erst als er halb auf dir liegt, versuchst du ihn mit nach vorne zu tragen. Also, einer ist ja noch okay, auch noch zwei oder drei. Aber wenn man ununterbrochen auf der Hut sein muss, dass dir kein Surfer auf den Kopf fällt oder du irgendwelche Stiefel ins Gesicht bekommst, dann ist das schon irgendwie nervig. Aber du findest dich schließlich damit ab, bis das Konzert sich nun langsam dem Ende nähert.
Du möchtest dir, um die Zeit zum nächsten guten Konzert zu überbrücken, einige Shows ansehen. Dabei ist das Angebot sehr groß. Von Tanzgruppen über Stripshows und Modenschauen bis hin zur Freakshow und zu Ritterturnieren. Da du dich nicht wirklich entscheiden kannst, beschließt du, dir alle irgendwie anzusehen. Dir ist es nicht so wichtig, das vollständige Programm zu sehen, sondern möchtest eher so viele verschiedene Eindrücke wie möglich sammeln. Daher schaust du dir zuerst eine Riverdance Performance an, gefolgt von einer kleinen alternativen Modenschau. Mittelalterliche Schaukämpfe und den Horror-Zirkus besuchst du an einem späteren Zeitpunkt. Schließlich möchtest du den Anfang des Konzertes, auf das du eigentlich wartest, nicht verpassen.
Du bekommst nach den Shows langsam wieder Hunger. Das Fast-Food-Angebot ist auf dem Festival wirklich sehr umfassend. Die Auswahl ist sogar so groß, dass du dir auch hier nicht sofort sicher bist, worauf du gerade Appetit hast. Hier vorne gibt es Hamburger und Pommes, weiter hinten hast du einen asiatischen Stand gesichtet, und du kannst dich daran erinnern, am Eingang einen Baguette- und daneben einen Döner-Stand gesehen zu haben. Vegetarisches kann man sich am anderen Ende der „Fressmeile“ kaufen. Du entscheidest dich dafür, an einem überteuertem Pizza-Stand satt zu werden — und es schmeckt sehr gut. Bei dem Anblick der Preise bekommst du aber immer wieder Bauchschmerzen. Für das Geld bekommst du normalerweile die doppelte Menge — aber hey, es ist ein Festival und diese Leute müssen ja auch irgendwie ihre Umkosten wieder rein bekommen.
Nun gehst du eine Runde im Gothic,- Metal- und Mittelaltermarkt shoppen, wobei du dich wieder etwas über die hohen Preise aufregst. Aber die Klamotten und Accessoires sehen einfach so gut aus, dass du dir etwas Kleines gönnen musst. Hier bekommt man wirklich alles, was ein „schwarzes Herz“ begehrt: ausgefallene Kleider, Shirts, Röcke, Mäntel, Umhänge, besondere Accesoires wie Stulpen, Haarschmuck oder Kunsthaar/-dreads, Schuhe, normale stabile Stiefel aus Leder, auffällige Stiefel, z.B. mit Schnallen, in Leder oder Lack, hohe Plateaustiefel, Plateau-Pumps, High Heels usw., Silberschmuck, wie Ringe, Ketten, Anhänger oder Ohrschmuck, Halsbänder mit oder ohne Nieten, Piercings, Taschen, Gürtel mit oder ohne Nieten, Band Patches und vieles, vieles mehr.
Du triffst auf dem Weg zurück zum Zelt neue, nette Menschen, die genauso wie du auf das gleiche Konzert-Highlight warten. Du fühlst dich unter den auffällig gekleideten Leuten richtig wohl.
Du kannst dich schließlich, zwei Stunden vor dem Konzert-Beginn, nach vorne an die Bühne in die zweite Reihe kämpfen. Nun heißt es warten. Vorher spielt noch eine andere Band ihre Lieder, die du eigentlich gar nicht so gut findest. Es ist okay. Aber um bei deiner Lieblings-Band so weit vorne wie möglich zu stehen, nimmst du dies gerne in Kauf. Langsam tun dir schon die Füße weh und du würdest gerne etwas trinken, aber dann würdest du ja deinen guten Stehplatz verlieren. Also hältst du durch. Die Zeit vergeht dann trotzdem recht schnell und es wird nach und nach enger um dich herum. Das langersehnte Konzert deiner Lieblings-Band beginnt nun. Alle fangen an wie wild zu toben und zerquetschen dich schon fast, treten sich gegenseitig, und auch dir, auf die Füße. Aber du hast zum Glück ja deine Stiefel an, da kann nichts passieren. Neben der absolut geilen Musik und der super Stimmung bietet dir auch das Wetter einen schönen Anblick. Mit der Zeit wandert die Sonne einmal herum und verschwindet nach und nach, sodass der Himmel sich im Sonnenuntergang rötlich färbt.
Du erlebst diese Zeit wie in einer anderen, einer unrealen Welt. Der Alltag wird dann vollständig in den Hintergrund gedrängt und es zählt nur noch das jetzt und hier. Du hast mit lieben Menschen Spaß, lernst neue Gleichgesinnte kennen und erlebst wirklich gute Konzerte. Tagelang bist du von netten Fans umgeben, die mit dir jeden möglichen (lieben) Blödsinn anstellen wollen. Ihr feiert einfach. Ihr feiert euch und eure Bands.
Du verlässt nach den unzähligen Konzerten das Gelände und machst dich auf dem Weg zurück zum Camp, wo weiter gefeiert wird. Völlig erschöpft gehst du recht früh in dein Zelt um zu schlafen. Am nächsten Morgen folgt die Abreise. Ihr packt alle Sachen zusammen und könnt dann gegen Mittag die Koppel wieder verlassen. Das war es nun. Das Festival...
Wer hat sich in diesen Zeilen auf einem Festival wieder gefunden? Schreibt mir dazu gerne einen Kommentar! Ich würde mich freuen!
Möglicherweise seht ihr, meine lieben Leser, nur die ganzen negativen Aspekte eines Festivals, aber ich kann euch nur nahe legen, dass ihr zumindest ein kleines oder großes Open Air Festival in eurem Leben erlebt haben müsst! Es ist absolut eine Erfahrung wert, und wenn ihr mit ein paar netten Menschen dorthin geht, dann werden das ein paar super tolle Tage! Und das auch bei schlechtem Wetter.
Schlusswort: In diesem Beitrag habe ich absichtlich keine Festivals anderer Art genannt, wie Rave oder Hip Hop. Denn ich bin der Meinung, dass die eigene „Identifizierung“ einer Szene viel über die Lebenseinstellung, Wertvorstellung und sogar etwas über den Charakter eines Menschen aussagt. Natürlich muss dies nicht immer der Fall sein, aber diese Erfahrungen habe ich schon oft sammeln können. Ich denke, dass die gesamte „schwarze“ (oder eher alternative) Szene, egal ob Rock, Metal, Gothic, Cyber, Steampunk, Indie usw. immer ein wenig friedlicher, offener, höflicher und freundlicher gegenüber anderen Mitmenschen ist als die o.g. Szenen. Sie sehen zwar fast immer etwas düster, schrill oder angsteinflößend aus, aber dahinter verbirgt sich meistens ein ganz lieber Mensch. Ich hoffe, das bleibt auch in Zukunft so!
Dies bedeutet aber nicht, dass Leute, die beispielsweise Pop-Musik hören nicht auf ein Metal-Festival gehen können. Wie bereits oben erwähnt: „Es sollte jeder dort hin gehen, wo er sich wohl fühlt und was ihm gefällt, vorausgesetzt, die Liebe zu dieser Musik ist echt und nicht gespielt, oder wird nur für gut befunden, weil es „cool“ oder „in“ ist! Natürlich sollte dann auch nicht einen auf Rebell gespielt werden, um absichtlich zu provozieren und zu beweisen, dass man anders ist. Man sollte friedlich miteinander Spaß haben und die gemeinsame Leidenschaft leben: die Musik.“
Quellen einiger Bilder
mit * im Titel markiert
Danke an das M'era Luna Festival Team (besonders an Matthias), Alex Tra., Christian R. und Mareike K. für die freundliche Erlaubnis eure Bilder hier zu nutzen.
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Nick
28. März 2012, 15:28 Uhr
ich weiß nicht wieso, aber dein wordpress hasst mich. der verschluckt immer n bisschen meines kommentars. XDDDD
Dracovina
28. März 2012, 16:26 Uhr
Ich benutze Wordpress nicht. Mh, ich weiß nicht, wo hier der Fehler sein kann. Könntest du mir vllt. den genauen Wortlaut deines Kommentares an dracovina@traumfinsternis.de senden? Dann kann ich vllt. schauen, ob dort irgendwelche Zeichen vorhanden sind, die mein System nicht nimmt...