13.05.2017 | von | Gedanken, Filme, Alltag | Kommentare (2)

Gedanken zu Tote Mädchen lügen nicht

Tote Mädchen lügen nicht
Titel: Tote Mädchen lügen nicht
Originaltitel: 13 Reasons Why
Jahr: 2017, USA
Genre: Drama
Länge: 49–61 Minuten
Episoden: 13 in 1+ Staffeln
Roman von: Jay Asher
Produktion, Idee: Joseph Incaprera, Brian Yorkey
Hauptdarsteller: Dylan Minnette: Clay Jensen
Katherine Langford: Hannah Baker
Christian Navarro: Tony Padila
u.v.m.
Bewertung:

Was ich dazu denke, schreibe ich später noch einmal.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich auch erst durch eine dieser Kritiken auf diese Serie aufmerksam geworden bin. Und diese von Beginn an so zu verurteilen hat mich neugierig gemacht. Also schaute ich mir einen Trailer an, um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Ich war mir nicht sicher, ob mir diese Machart gefallen würde, daher dachte ich mir, wenn ich eine Folge gesehen habe, kann ich mir vielleicht ein besseres Bild dazu machen.

Gesagt, getan – wegen dieser Serie besorgte ich mir einen Netflix-Probeaccount und überzeugte meinen Freund eines Abends dazu dort mal mit mir zusammen reinzuschauen. Eigentlich sehen wir uns sonst Serien wie Game of Thrones, The Walking Dead oder Vikings an. Daher sprudelte er nicht gerade vor Begeisterung als ich mit dieser Idee daherkam. Aber wir schauten trotzdem in "Tote Mädchen lügen nicht" rein.

Hey, hier ist Hannah - Hannah Baker

[Achtung, START Spoiler im Folgenden]

Nach einer knappen Stunde konnte ich mein Fazit ziehen. Ich war irgendwie getroffen, traurig und geflasht zurzeit. Die gesamte Grundstimmung der Serie war bedrückend – was natürlich klar ist, denn von vornherein wird klargestellt, dass sich ein Mädchen, Hannah, die noch zur Schule geht, selbst umgebracht hat. Was genau zu dieser tragischen Entscheidung führte, wusste keiner, nicht mal ihre Eltern hatten einen Abschiedsbrief erhalten. Aber Hannah überlegte sich, wie sie der Welt und den betroffenen Personen sagen kann, dass sie einen Teil zu ihrer Entscheidung beigetragen hatten. Dies wird in meinen Augen auf dramatische und traurige Weise in Form von aufgenommenen Audio Kassetten übermittelt. Hannah nahm vor ihrem Tod 13 Ton-Kassetten auf, die ihre Gefühle und Gedanken beschreiben – und zu jeder der 13 Kassetten gab es eine Person, die im Fokus der Geschichte stand, und die in Hannahs Augen mit ein Grund, sei es durch Handlungen oder Worte, für ihren Suizid war. In der Serie erhielt Clay, ein guter Schulfreund von Hannah und meiner Meinung nach auch ihre große Liebe, die Kassetten. Und dann werden in 13 Folgen die Geschichten dazu erzählt.

Regen im Zug

Die Serie arbeitet viel mit Zeitsprüngen, Rückblenden und der Gegenwart. Zu Beginn musste ich mich selbst ein wenig finden, um die Zeiten richtig zuordnen zu können. Aber dies hat man ziemlich schnell raus. Was mich auch traurig stimmte, ist, dass man die eigentliche Hauptfigur Hannah nach und nach mochte, aber man immer wieder zurück in die Realität gerissen wird – das Mädchen ist längst tot. Die Sympathie und Empathie, die man zu dieser Person aufbaut, wird durch das Bewusstsein, dass man ihr nicht mehr helfen kann und es auch niemals ein Happy End geben wird, in eine traurige Stimmung versetzt. Während der gesamten Folgen fragte ich mich immer wieder "wie konnte es nur so weit kommen?".

Dies ist deine Kassette

Viele Kritiken beschäftigen sich mit der Frage, was es bringen würde, wenn den Betroffenen über diese Kassetten gesagt wird, inwiefern sie zu Hannahs Tod "beigetragen" haben. Es würde doch eh nichts bringen, außer, dass es diesen Menschen schlecht gehen würde. Zudem gab es Aussagen, die Figur wolle damit nur nach ihrem Tod Aufmerksamkeit erregen wollen – mehr nicht.
Ich denke, wenn diese Personen es vorher nicht wahrnehmen wollten, werden sie es jetzt vielleicht eher zulassen und darüber nachdenken. Und was noch viel wichtiger ist: Wenn man nicht darüber spricht, weiß man es nicht und man kann es in Zukunft auch nicht besser machen und anders agieren. Auch, wenn es nach ihrem Tod erst erzählt wird, denke ich, dass es besser ist als gar nicht darüber zu sprechen.

Du bist besser dran ohne mich

Tony, ein Freund, der sich für die Weitergabe der Tonaufnahmen und Hannahs Geheimnisse verantwortlich fühlt, sagte gegen Ende der Serie, als Clays Kassette an der Reihe war, dass er in gewisser Weise der Grund ihres Suizids war. Als sich Hannah und Clay eines Abends näher kamen, wurde sie von all den negativen Gefühlen ihrer Vergangenheit eingeholt und stieß ihn weg, er solle verschwinden. Clay war irritiert und versuchte mit ihr darüber zu reden, aber sie schickte ihn auffordernd weg. In dieser Szene dachte sich Hannah jedoch "Warum gehst du? Warum bleibst du nicht? Bleib bei mir!" - aber Clay ging nach ihrer wütenden Aufforderung - wie sie es sagte. Sie war zwiegespalten, denn einerseits wollte sie, dass sie bei ihm blieb, andererseits hatte sich der Gedanke fest verankert, dass er mit ihr niemals glücklich sein würde und dass sie ihn nicht verdient hätte. Und dann ging er fort.

Daraufhin machte er sich für ihren Tod verantwortlich, er hätte sie retten können, wäre er nur bei ihr geblieben und hätte er sie gefragt, was sie belastet. Sie hätten alles zusammen durchstehen können – gemeinsam als Paar...
Ich verstehe diese Grundgedanken. Vielleicht wäre es dann nicht zu diesem tragischen Tod Hannahs gekommen, da sie sich bei ihm geborgen fühlt. Vielleicht hätte sie dann ihre Erlebnisse besser verarbeiten können. Vielleicht hätte ihr seine Liebe so viel Kraft gegeben, dass sie alles gemeinsam durchstehen. Vielleicht... vielleicht jedoch hätte es die Probleme auch nur aufgeschoben. Meiner Meinung nach ist es eine schwierige Situation, wenn der Partner der einzige Grund ist weiterzuleben. Denn die Probleme und Geschehnisse haben sich dadurch ja nicht in Luft aufgelöst. Vielleicht würde er sich irgendwann so sehr unter Druck gesetzt fühlen, dass er mit dieser Situation selbst auch nicht mehr klarkommt und sie verlassen möchte – aber das geht nicht, denn sie würde sich sonst umbringen. Dies ist eine wirklich schwierige Situation und ich bin mir nicht sicher, ob Clay ihr alleine hätte helfen können.

[ENDE Spoiler]

Die Serie, die dir den Spiegel vorhält

Wie ihr vielleicht schon erkannt habe, stimme ich mit der anfänglich erwähnten Kritik nicht überein. Natürlich ist das Thema der Serie schwer und nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Dennoch denke ich, dass es gerade gut ist, diese Thematiken von Mobbing, Missbrauch und Suizid einmal ohne Tabus darzustellen. Menschen sollen nicht die Augen verschließen, wenn sie solche Dinge bemerken – wir müssen damit offen umgehen. Vor allem müssen wir uns darauf einlassen, dass jeder Mensch anders ist und dass vielleicht harmlos gemeinte Bemerkungen beim Gegenüber verletzend ankommen können. Wie war das mit dem Sender und Empfänger bei Kommunikation?

Außerdem müssen wir uns der Konsequenzen von Mobbing und auch Cyber-Mobbing mehr bewusst werden. Was dies in anderen Menschen auslösen kann, ist den meisten Tätern wohl gar nicht bewusst. Ich denke sogar, dass Mobbing viel schlimmer ist, als wenn einem z.B. Geld gestohlen wird &dnash; einfach als Beispiel, um Straftaten zu vergleichen, wobei Mobbing an sich ja laut deutschem Gesetz gar keine Straftat ist. Es heißt, dass Bestandteile von Mobbing eine Straftat darstellen können, wie z.B. Nötigung, Beleidigung, üble Nachrede oder Verleumdung. Denn was diese Taten emotional in einem auslösen, ist kein Vergleich mit einem Sachverlust. Dadurch können sich Menschen verändern, wie es in "Tote Mädchen lügen nicht" beschrieben wird.

Ich denke auch nicht, dass der Suizid der Serie in irgendeiner Form romantisiert wird – im Gegenteil, ich finde es sehr dramatisch dargestellt. Als Zuschauer merkt man, wie Hannah immer weiter in diese Abwärtsspirale rutscht und ihr niemand helfen kann.

Dass diese Darstellung andere Menschen dazu verleiten könnte sich ebenso umzubringen, sehe ich auch nicht so. Falls in einem Menschen diese Gedanken bereits präsent sind, wird eine Serie nicht darüber Einfluss nehmen können, ob sich diese Person tatsächlich das Leben nimmt oder nicht. Eine Person ohne solch Vorbelastungen wird sich davon wahrscheinlich auch nicht inspiriert fühlen, ebenso Suizid zu begehen. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir auch meine Gedanken über diese Problematiken gemacht habe, und natürlich, wie es menschlich ist, versucht man Parallelen zum eigenen Leben und zu sich selbst zu ziehen. Natürlich läuft nicht immer alles nach Plan, und ja, mich hat diese Geschichte sehr berührt, aber dadurch fühlte ich mich nicht zu dieser Tat verleitet – ganz und gar nicht.

Eine empfehlenswerte Serie

Abschließend möchte ich euch näher bringen, euch nicht von negativen Kritiken "abschrecken" zu lassen, sondern ihr euch am besten ein eigenes Bild von dieser Serie machen solltet. Ich finde diese Serie sehr empfehlenswert. Neulich sprach ich erst mit einem Freund über Serien/Filme, die nicht einfach nur der Unterhaltung dienen, sondern die tatsächlich auch nach dem Abspann hinaus noch zum Nachdenken anregen – und dies hier definitiv der Fall.
Vielleicht hat einer von euch diese Serie auch schon gesehen. Ich freue mich auf eure Meinungen dazu!

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GedankenFilmeAlltag

Nick

15. Mai 2017, 15:46 Uhr

Oh, hey! Das ist ja mal eine Überraschung. Ich wusste gar nicht, dass du überhaupt noch auf den alten Seiten unterwegs bist.

Designfreaks war mal mein privater Blog vor sehr vielen Jahren, allerdings hatte ich genau so wie die vielen anderen mit dem Webdesign aufgehört. Nach einer ziemlich langen Pause hatten Danny und ich dann beschlossen, dass wir zurückkommen.

Zwischenzeitlich hatte ich natürlich einige weitere Seiten, aber ich bin mir gerade nicht mal sicher, ob du mich genau so gut zuordnen kannst, wie ich dich. :') Es ist immer wieder schön, "alte Gesichter" wieder zu sehen.

Ich erinnere mich noch, wo ich mal ein Review über deine Seite geschrieben habe. Alles so wahnsinnig lange her.

"Tote Mädchen lügen nicht" finde ich übrigens auch sehr empfehlenswert. Ich hatte als jugendlicher damals schon das Buch gelesen und war wirklich gespannt, ob sie das alles gut verfilmen können. Am Ende war ich positiv überrascht, auch wenn einiges in der Handlung geändert wurde, damit eine zweite Staffel noch möglich ist. Die scheint ja schon in Planung zu sein, wenn man den Gerüchten glauben kann.

Liebe Grüße zurück!
Nick

Christine

18. Mai 2017, 10:44 Uhr

Ich bin ehrlich gesagt auch recht skeptisch was die Serie angeht. Ich habe das Buch damals gelesen uns sie jetzt vor ein paar Tagen beendet. Generell finde ich das Thema und die Grundaussage sehr wichtig! Auch sind sie schonungslos und ohne Beschönigen mit den Themen umgegangen, was ich gut und ebenfalls wichtig fand.
Allerdings habe ich generell schon so meine Kritik an den Stoff bzw. die Geschichte an sich...

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